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Einblicke in ein skurriles 73.000-Euro-Kuppelhaus im Regenwald

Einblicke in ein ungewöhnliches Umbauprojekt in der Natur

By Jen Grimble · August 28, 2025

Originally published on lovePROPERTY

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32 slides 12 min read
Cath Wild; Cath/Airbnb

Eigenheim aus 6.000 Porenbetonsteinen

Die australische Bildhauerin Cath Wild ist schon von Berufs wegen Expertin darin, Dinge mit ihren Händen zu erschaffen. Als sie allerdings beschloss, ihr eigenes Haus komplett selbst zu bauen, stieß sie in ganz andere Dimensionen vor: Sie entschied sich für ein sogenanntes „Bubble House“, das im deutschsprachigen Raum auch als Kuppelhaus oder geodätische Kuppel bekannt ist. Das Prinzip dieser energieeffizienten Gebäude geht auf den deutschen Ingenieur Walther Bauersfeld zurück, der das 1926 eröffnete Planetarium Jena der Carl-Zeiss-Werke als Kuppelbau gestaltete.

Wilds Kuppelhaus-Version aus Porenbeton steht im Regenwald an der australischen Sunshine Coast und ist das erste offiziell von den Behörden abgenommene Gebäude des Landes aus diesem Baumaterial. 

Lesen Sie hier, wie die Bildhauerin das ungewöhnliche Haus in Eigenregie baute und dafür selbst fast 6.000 (!) Porenbetonsteine herstellte. Für die Vollbildansicht einfach auf das Symbol oben rechts im Bild klicken.

(Beträge in Fremdwährungen wurden in Euro umgerechnet und gerundet.)

Adaptiert von Barbara Geier

Cath Wild/Facebook

Der Traum vom Kuppelhaus

Warum ein Haus aus sphärischen Kuppeln? Die Vorliebe für besondere Formen wurde Wild quasi in die Wiege gelegt: „Ich bin in einem umgebauten Getreidesilo aufgewachsen, bevor wir in ein sechseckiges Haus gezogen sind. Meine Eltern haben dann ein Baumhausgeschäft gegründet – ungewöhnliche Häuser liegen mir wohl im Blut“, so die Bildhauerin.

Von einem eigenen Porenbetonhaus in Kuppelform träumte sie, seit sie auf ein ähnliches Gebäude in Thailand aufmerksam geworden war. 

Cath Wild

Wild wird Porenbeton-Expertin

Nachdem sich die Australierin 2020 in der Herstellung von Porenbeton hatte schulen lassen, startete sie 2021 ihr Bauprojekt. 

Porenbeton ist ein leichter, mineralischer Baustoff, der durch Blähen porosiert wird. Wie die Bildhauerin erläutert, ist er nicht nur „wirbelsturmsicher und termitenfest“ (wichtig in Australien), sondern bietet auch eine sehr gute Schall- und Wärmedämmung und kann relativ einfach selbst hergestellt werden.

Cath Wild

Vorbereitung des Grundstücks

Für ihr Haus erwarb Wild ein 3,4 Hektar großes Grundstück in der kleinen Gemeinde Flaxton im australischen Bundesstaat Queensland – und verbrachte dann erstmal ein paar Jahre damit, sich in alle nötigen Vorschriften einzulesen, um eine Baugenehmigung für ihr Projekt zu erhalten. Dieser Prozess kostete sie rund 14.800 Euro.

Dann musste das Grundstück im Regenwald gerodet und geebnet werden, um das Fundament zu errichten – ein Job für Fachleute, die mit Baggern Erde und Bäume abtrugen und eine ebene Fläche für den Bau zu schaffen.

Cath Wild

Fundament für sichere Statik

Im nächsten Schritt wurde das Fundament errichtet. Die Hausherrin entschied sich für ein sogenanntes Floßfundament, das auch als Mattenfundament bekannt ist, um die Statik ihres speziellen Baus auf den lokalen schlechten Bodenverhältnissen zu gewährleisten.

Dafür wurde ein Rahmen aus Metall und Holz erstellt, in den ein verstärkter Stahlrahmen eingebettet wurde. Das Ganze wurde dann mit Beton aufgefüllt, damit das Haus auf einem stabilen Fundament errichtet werden konnte.

Cath Wild

Die Kuppeln entstehen

Für ihre Kuppelbauten fertigte Wild mehrere Bögen in verschiedenen Größen an, wobei sie mit dem kleinsten begann. Jeder Bogen besteht aus einer Stahlschalung, die auf Holzsockel geschraubt wurde. Diese Rahmen wurden mit Sperrholz verkleidet und anschließend mit einer wasserdichten Membran umhüllt.

Im nächsten Bauschritt wurden die Bögen auf dem Fundament positioniert und mit den von der Bildhauerin selbstgemachten Porenbetonsteinen verkleidet. Nach dem Aushärten wurde das Stahlgerüst durch Abschrauben der Holzsockel entfernt, sodass der Rahmen herunterfallen und herausgleiten konnte.

Cath Wild

Porenbetonsteine in Heimproduktion

Mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Familie goss Wild jeden Tag zwischen 150 und 200 Porenbetonsteine, wofür sie handgefertigte Formen in drei verschiedenen Größen verwendete. Das Baumaterial wurde mit Zement, Geschirrspülmittel und Wasser hergestellt, um die Poren zu erzeugen. Bevor die Masse vollständig ausgehärtet war, wurden die Steine auf die richtige Größe beschnitten und zum vollständigen Trocknen gestapelt. 

Insgesamt entstanden so fast 6.000 Porenbetonsteine in einem Verfahren, das von der DIY-Hausbauerin als „einfach“ beschrieben wird – und nicht nur das: „Ich musste mich nicht – wie bei konventionellen Hausbauten – mit schwerem Holz oder Gipsplatten abmühen. Daher war das Ganze auch für eine Frau wie mich um die 50 machbar!“

Cath Wild

Das Kuppelhaus nimmt Gestalt an

Die Stahlgerüste wurden wie beschrieben mit den Porenbetonsteinen verkleidet, mit Glasfasergewebe verstärkt und dann zum Schutz und für eine glatte Oberfläche mit Mörtel überzogen. Zur Absicherung der Baustelle vor Regen installierte Wild zudem Planen, die an hohe Bambusstangen befestigt wurden. 

Die Arbeit an den Kuppelbauten übernahm die Australiern – abgesehen von einigen freiwilligen Helfern – weitgehend selbst. Vor allem beim Verputzen war Unterstützung nötig, da drei der Kuppeln einen Durchmesser von 4,8 Meter haben und die größte sieben Meter breit und 4,5 Meter hoch ist.

Cath Wild

Stein für Stein

Stein für Stein entstanden so die Kuppelbauten, deren Ensemble heute das Haus bildet. Und auch die hier zu sehenden Plastikbehälter spielten dabei eine wichtige Rolle: Sie dienten als Gegengewichte und hielten die Porenbetonziegel in Position, während der Mörtel aushärtete.

Die Steine selbst wurden nummeriert, um sie platzierbereit zu stapeln und ihre Vorder- und Rückseite zu markieren.

Cath Wild

Willkommene Finanzspritze

Mitten in den Bauarbeiten stieß die DIY-Bauherrin auf eine Initiative von Airbnb, die ihr letztlich eine willkommene Finanzspritze von rund 90.700 Euro bescherte: Sie reichte ihr Projekt beim „OMG!-Fonds“ ein, über den die Plattform die Realisierung von 100 außergewöhnlichen Gäste-Unterkünften finanzierte, und war 2023 eine von nur vier Gewinnern in Australien. Mit dem Geld konnte Wild Extras wie Steinwände und -bänke bezahlen.

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Cath Wild

Es geht voran

Mit dem zusätzlichen Geld konnte sich Wild ganz darauf konzentrieren, einen Kuppelbau nach dem anderen zu bauen und so ihr Haus zu formen.

Nachdem die Stahlrahmen entfernt worden waren, ging es an die Innenrahmen für die großen Fenster an der Vorder- und Rückseite des Hauses.

Cath Wild

Das Haus bekommt Fenster

In einige der getrockneten Wände sowie in zwei der Decken der Kuppeln wurden mit einer hydraulischen Säge – und ruhiger Hand – Löcher für den Einbau von runden Bullaugenfenstern und Oberlichtern geschnitten. Eine absolute Präzisionsarbeit, denn jegliche Luftspalten hätten die genaue Einpassung der Fenster unmöglich gemacht. 

Cath Wild

Himmlische Aussichten

Für die Einpassung ihrer Dachfenster holte sich Wild professionelle Hilfe. Das sparte nicht nur Zeit, sondern garantierte auch die erforderliche präzise Form.

Auf der Kuppelspitze selbst wurden die Porenbetonsteine nicht wie bei der sonstigen Verkleidung in ihrem Endzustand genutzt. Das Material wurde stattdessen in die Rahmen eingegossen.

Cath Wild

Nächster Schritt: Innenausbau

Beim Innenausbau wurden die Porenbetonwände für eine glatte Oberfläche mit Betonmörtel bearbeitet und danach gestrichen. Dafür waren sowohl Leitern als auch Gerüstplattformen im Einsatz, um auch die Kuppelspitzen erreichen zu können.

Cath Wild

Aufteilung der Kuppelbauten

Jeder der vier Kuppelbauten des Hauses erfüllt einen bestimmten Zweck: In der größten Kuppel befindet sich ein offener Wohnbereich, zwei kleinere Kuppeln bieten Platz für die Schlafzimmer.

Kuppel Nummer vier ist sowohl Bad als auch Waschküche, wofür der Raum mit Holzwänden unterteilt wurde.

Cath Wild

Bad im Bau

Im Bereich für das Badezimmer wurde eine wasserdichte Membran an den Wänden und auf dem Boden angebracht, um eine offene Nasszelle mit Dusche zu schaffen. Die Duschecke ist mit weißen Mosaikplatten gefliest. Für den Boden fiel die Wahl auf schwarze Keramikfliesen.

Cath Wild

Die Küche entsteht

Die Küche, die in den Wohnbereich des Kuppelhauses integriert und prominent platziert ist, sollte ein echter Blickfang sein. Dafür wurden die aus zweiter Hand bezogenen Küchenmöbel in das eingelassene Fenstergewölbe gesetzt.

Cath Wild

Kreative Küchenbauerin

Für die Kücheninsel nutzte die Bildhauerin recycelte Weinregale. Für zusätzlichen Stauraum baute sie zudem Second-Hand-Vorratsschränke ein. Insgesamt übernahm sie fast den kompletten Innenausbau selbst. Die viele Handarbeit ist sicher einer der Gründe, warum Wild für ihr Kuppelhaus alles in allem geschätzt nur rund 73.900 Euro ausgegeben hat.

Und wie das im fertigen Zustand aussieht, schauen wir uns jetzt an …

Cath/Airbnb

Das Bubble House ist fertig

Mutter von zwei Töchtern im Teenageralter, ein Job, der die Rechnungen bezahlt, und dann auch noch selbst ein Haus bauen – hört sich definitiv nach zu viel an, aber nach drei Jahren harter Arbeit hatte Wild ihren Traum vom „Bubble House“ verwirklicht.

Die Fassade sollte ursprünglich grün gestrichen werden. Der Ton nahm im Sonnenlicht allerdings eine unschöne gelbe Färbung an, sodass es im Endeffekt bei Weiß blieb. Für die oberste Schicht des Außenanstrich wurde dabei eine Thermofarbe verwendet, was die Temperatur an der Außenfläche um 30 Grad Celsius reduziert und zur Regulierung der Innentemperatur im Sommer beiträgt.

Cath/Airbnb

Eingangsbereich mit Farbakzent

Im Eingangsbereich der Kuppelbauten sorgt eine Prise Gelb für einen fröhlichen Farbakzent. Die rustikale, alte Tür kontrastiert mit den Stahlrahmen der Fenster und verleiht Charakter.

Cath/Airbnb

Hell und luftig

Die Innenräume des insgesamt 90 Quadratmeter großen Hauses sind lichtdurchflutet und charmant gestaltet, mit hohen Decken, großen Glasflächen, Türwölbungen und farbenfrohen Möbeln. 

Abgesehen von den zwei Schlafzimmern, dem Bad mit Waschküche sowie offenen Wohnbereich mit Küche gibt es verschiedene Terrassen, um zu Grillen oder den Blick auf das umgebende Regenwaldtal zu genießen.

Cath/Airbnb

Zeitloser Schick mit Vintage-Touch

Ein Großteil der Möbel in dem australischen Kuppelhaus – wie die leuchtend grünen Sofas – sind aus zweiter Hand gekauft. Beim Boden entschied sich die Hausherrin für zeitlose Holzdielen. 

Die Kuppelform der Bauten sorgt zudem für charmante Details und bietet Raum für besondere Einrichtungselemente. So fällt das Licht in Form der gewölbten Fenster auf den Boden, während der Platz um die inneren Türbögen für Regale genutzt wurde.

Cath/Airbnb

Küche aus zweiter Hand wie neu

Erinnern Sie sich noch an die Küche im Bauprozess? Die recycelte Möblierung sieht im Fertigzustand aus wie neu und mit den strahlend weißen Schränken, Arbeitsplatten aus Stein und Einbaugeräten ist ein moderner und funktionaler Raum entstanden.

Cath/Airbnb

Waschküche

Die Waschküche, die sich eine Kuppel mit dem Bad teilt, wurde in eine Fensterwölbung eingepasst und bietet neben der Waschmaschine, einem Waschbecken und einer Arbeitsfläche auch viel Stauraum.

Cath/Airbnb

Gemütliches Schlafzimmer

Das helle Hauptschlafzimmer liegt auf der anderen Seite des Hauses. Besondere Elemente hier: ein großes Bullaugenfenster und stilvolle, handgefertigte Regale.

Cath/Airbnb

Einrichtung mit Auge fürs Detail

Das Kopfteil, die Beistelltische und die Regale hat Wild alle maßgefertigt. Dafür nutzte sie Schablonen aus Pappe, anhand derer sie Zedernholzplatten zurecht schnitt.

„Diese handgefertigten Elemente gehören zu meinen Lieblingsstücken, auf die ich auch sehr stolz bin“, so die Hausherrin.

Cath/Airbnb

Badezimmer mit allem Drum und Dran

Im Bad wartet neben einem handgefertigten Waschbeckenunterschrank ein besonderer Design-Clou: Die Mosaikfliesen ahmen die organischen Formen der Kuppeln nach und wurden „frei fließend“ an den Wänden verlegt.

Da das Haus zwar an das Stromnetz, aber nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen ist, wird für Abwasser eine Klärgrube genutzt. 

Cath/Airbnb

Dusche mit Aussicht

Besonders schön im Bad ist der Blick aus dem Fenster, wenn man unter der Dusche steht. 

Und noch ein Wort zur Umweltfreundlichkeit des Gebäudes: Die Dämmeigenschaften des Porenbetons machen sowohl eine Wärmepumpe als auch eine Klimaanlage oder einen Kamin überflüssig.

Cath/Airbnb

Baumarathon mit Happy End

Im Außenbereich des Kuppelhauses wartet mit einem Whirlpool aus Zedernholz noch ein weiteres Highlight. Wild baute dafür einen charmanten Unterstand aus Wellstahl und Holz mit einem selbst gestalteten Buntglaspaneel, das Monate in Anspruch nahm – nur ein kleiner Teil des Baumarathons, der für die Australierin Ende Januar 2024 nach drei Jahren zu seinem Ende kam.

Cath/Airbnb

Ratschläge von der Fachfrau

Wie stemmt man so ein Kuppelhaus-Projekt? Wilds Rat für alle, die etwas Ähnliches in Angriff nehmen wollen: Schritt für Schritt bzw. Kuppel für Kuppel vorgehen, sich nicht zu sehr selbst unter Druck setzen und immer Ruhepausen einlegen, bevor das nächste Gebäude in Angriff genommen wird. Und: „Versuchen Sie Menschen vor Ort mit einzubeziehen, die Interesse an solch einem Bau haben könnten und möglicherweise mithelfen. Ich hatte Glück mit Freiwilligen, die mich unterstützt haben.“

Cath/Airbnb

Urlaub im Kuppelhaus

Nach drei Jahren Arbeit an dem Mammutprojekt vermietete Wild ihr Kuppelhaus zunächst über Airbnb und freute sich über die vielen positiven Rückmeldungen: „Das Feedback der Gäste ist sehr gut und ich würde gerne noch mehr Menschen die Chance geben, diesen besonderen Ort zu erleben.“

Inzwischen vermietet sie ihr außergewöhnliches – und mit viel Liebe gestaltetes – Haus nur noch privat.

Cath/Airbnb

Zukunftspläne

Auf ein Projekt folgt das nächste: Für die Zukunft plant Wild einen Skulpturenpark auf dem Gelände ihres Kuppelhauses, in dem sie ihre Kunstwerke ausstellt, für die sie auch Porenbeton verwenden möchte. 

Wer jetzt inspiriert ist, kann Wilds Konstruktionspläne für das Kuppelhaus für umgerechnet rund 200 Euro kaufen und sich ans Nachbauen machen – oder auf dem Facebook-Kanal der Australierin verfolgen, wie es bei ihr weitergeht. 

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