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Schuldenkrise: So tief steckt Deutschland in den roten Zahlen
Welche Länder jetzt am höchsten verschuldet sind
By Daniel Coughlin · December 22, 2025
Originally published on loveMONEY
Welche Nationen am höchsten verschuldet sind
Die globale Verschuldung ist in diesem Jahr auf einen Rekordwert von knapp 300 Billionen Euro angestiegen. Das ist laut dem Institute of International Finance (IIF) mehr als das Dreifache des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Vereinigung internationaler Finanzinstitute zeichnet die Verschuldung in fortgeschrittenen und sich entwickelnden Volkswirtschaften auf.
Dieses immens hohe Verschuldungsniveau wurde zuletzt während der Napoleonischen Kriege vor mehr als 200 Jahren erreicht. Die aktuelle Verschuldungswelle ist die vierte seit dem Zweiten Weltkrieg und die bisher größte. Sie begann 2010 und erreichte während der Coronapandemie ungeahnte Höhen. Da keine der vorangegangenen Verschuldungswellen im Guten endete, könnte eine noch nie dagewesene globale Schuldenkrise vor der Tür stehen. Auch Deutschland hat im März 2025 ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz beschlossen. Zudem sind Verteidigungsausgaben über ein Prozent des BIP künftig von der Schuldenbremse ausgenommen. Kritiker sehen darin eine riskante Umgehung haushaltspolitischer Regeln.
Hier erfahren Sie, weshalb die Welt so hoch verschuldet ist, welche Länder auf den wirtschaftlichen Zusammenbruch zusteuern könnten – und wie Deutschland im internationalen Vergleich abschneidet.
(Geldbeträge in Fremdwährungen wurden in Euro umgerechnet.)
Adaptiert von Barbara Geier
Weltweite Rekordverschuldung
Die Welt ertrinkt in Schulden. Aber was umfasst die genannte Rekordsumme von rund 300 Billionen Euro eigentlich?
Etwa 55,1 Billionen Euro entfallen auf die Schulden privater Haushalte, zu denen Hypotheken, Kreditkartenschulden und Studienkredite gehören. Die Staatsverschuldung macht 85,2 Billionen Euro aus, während Unternehmen für Schulden in Höhe von 153,4 Billionen Euro gerade stehen müssen. Dazu kommen 65,6 Billionen Euro, die der globale Finanzsektor schuldet.
Zwei Drittel der globalen Schulden entfallen auf fortgeschrittene Volkswirtschaften, der Rest auf Entwicklungsländer. Relativ gesehen ist die Verschuldung der Schwellenländer in den letzten Jahren jedoch sprunghaft angestiegen und hat sich innerhalb von zehn Jahren von 51,3 Billionen Euro auf 98 Billionen Euro fast verdoppelt. Würde man die globale Schuldenlast gleichmäßig aufteilen, hätte jeder Mensch auf der Welt gut 36.375 Euro Schulden.
Pandemie-Kredite und steigende Zinszahlungen
Die weltweite Verschuldung stieg bereist im Verlauf der 2010er-Jahre stetig an. Zu Beginn der Coronapandemie im Jahr 2020 schnellte sie dann in die Höhe. Regierungen weltweit mussten Privathaushalte und Unternehmen finanziell unterstützen, um die Folgen des sich ausbreitenden Virus und der damit verbundenen Lockdowns abzufedern.
Als die Welt ab 2021 nach und nach wieder in den Normalbetrieb überging, trieb die starke Nachfrage in Verbindung mit unterbrochenen Lieferketten die Inflation in die Höhe. Die russische Invasion der Ukraine im Februar 2022 verschärfte das Inflationsproblem noch weiter. Zentralbanken auf der ganzen Welt reagierten, indem sie etwas taten, was vor zehn Jahren noch undenkbar war: Sie erhöhten die Zinssätze um mehrere Prozentpunkte und in einigen Fällen sogar um deutlich mehr.
Die Inflation wurde dadurch eingedämmt. Durch die Zinserhöhungen sind Schuldenrückzahlungen allerdings teurer geworden, ganz abgesehen davon, dass die Zinsen weiter hoch sind.
Was tun Regierungen gegen ihre Schulden?
Die aktuelle hohe Verschuldung fällt in eine Zeit steigender Haushaltsdefizite, allgemein hoher Zinssätze und eines chronisch niedrigen globalen Wachstums, was die Situation besonders besorgniserregend macht. Den meisten Regierungen ist es nicht möglich, aus eigener Kraft aus ihren steigenden Schulden „herauszuwachsen“ – und es wird immer schwieriger, die horrenden Zinszahlungen zu managen.
Abgesehen von rigorosen Sparmaßnahmen können einige Regierungen Wertpapiere wie Anleihen emittieren oder einfach mehr Geld drucken, um ihre Staatsschuldscheine zu begrenzen. Der Verkauf von Wertpapieren und die Monetarisierung von Schulden funktionieren jedoch nur in fortgeschrittenen Volkswirtschaften wie Japan und den USA gut. In Schwellenländern führen sie oft zum wirtschaftlichen Ruin. So kam es beispielsweise in Argentinien, Simbabwe und Venezuela zu einer grassierenden Hyperinflation, als die Regierungen dieser Länder die Gelddruckmaschinen anwarfen, um ihre Schulden zu begleichen.
Was passiert, wenn Regierungen ihre Schulden nicht begleichen können?
Wenn die Schuldenlast zu hoch wird, bleibt den Regierungen in der Regel nichts anderes übrig, als den Internationalen Währungsfonds (IWF) oder einen ähnlichen Fonds um ein Rettungspaket zu bitten. Dies ist immer an Bedingungen geknüpft, wie beispielsweise die Einschränkung von Staatsausgaben.
Im schlimmsten Fall stellen Länder ihre Schuldenzahlungen ein bzw. erklären förmlich, dass sie Forderungen nicht mehr bedienen können. Solch ein Staatsbankrott kann katastrophale wirtschaftliche Folgen haben kann. Diese Art staatlicher Zahlungsausfälle ist auf ein Rekordniveau gestiegen.
Nach Angaben der Ratingagentur Fitch Ratings befinden sich derzeit neun Länder in Verzug oder haben ihr Rating entzogen bekommen: Belarus, El Salvador, Russland, Surinam, Äthiopien, Ghana, Libanon, Sri Lanka und Sambia.
Warum eine gute Kreditwürdigkeit für Staaten so wichtig ist
Die Kreditwürdigkeit eines Landes hat einen entscheidenden Einfluss darauf, ob es in der Lage ist, seine Schulden zu bedienen. Dies gilt insbesondere, wenn ein Großteil der Verbindlichkeiten in einer ausländischen Währung besteht und gegenüber ausländischen Gläubigern geschuldet ist. Ratings zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit werden von einer Reihe von Agenturen festgelegt, darunter Fitch Ratings, Standard & Poor (S&P) und Moody's.
In der Vergangenheit hatten die fortgeschrittenen Volkswirtschaften in der Regel erstklassige Länderratings und bekamen auf dieser Basis die günstigsten Zinssätze. In den letzten Jahren wurden jedoch die Ratings einiger führender Volkswirtschaften wie der USA herabgestuft.
Entwicklungsländer haben meist schlechte Kreditratings und zahlen bei der Kreditaufnahme entsprechend drauf. Laut einer Studie, die 2024 von der britischen gemeinnützigen Organisation Debt Relief International erstellt wurde, haben mehr als 100 Entwicklungsländer Schwierigkeiten, ihre Schulden zu bedienen und kürzen deshalb ihre Ausgaben für Gesundheit, Bildung und den Klimaschutz.
Was ist die Staatsschuldenquote und warum ist sie wichtig?
Die Staatsschuldenquote – kurz: Schuldenquote – beschreibt das Verhältnis der Schulden eines Landes gegenüber seinem jährlichen Bruttoinlandsprodukt. Diese Prozent-Kennzahl ist ein guter Indikator für die Fähigkeit eines Landes, seine Schulden tragen zu können. Als allgemeine Faustregel gilt: Je höher der Prozentsatz, desto schwieriger ist es für das Land, seine Verbindlichkeiten zu bedienen. Diese Regel ist allerdings nicht in Stein gemeißelt, und wie wir sehen werden, gibt es aktuell einige bemerkenswerte Ausnahmen.
Schauen wir nun auf die Bruttoverschuldung im Verhältnis zum BIP von 20 der wichtigsten Volkswirtschaften der Welt und bewerten die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schuldenkrise abgewendet werden kann …
Russland – Schuldenquote: 20,8 %
Russlands Staatsschulden belaufen sich auf rund 411 Milliarden Euro, was nur 20,8 Prozent des BIP des Landes entspricht. Nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 begann die Putin-Regierung, die Wirtschaft des Landes sanktionssicher zu machen und die Auslandsverschuldung durch ein sehr strenges fiskalisches Regime auf ein Minimum zu beschränken.
Auf Basis des russischen Rohstoffreichtums und eines enormen Handelsüberschusses hat diese Strategie der Schuldenreduzierung dazu beigetragen, dass Wladimir Putin seinen Einmarsch in die Ukraine finanzieren und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen besser bewältigen konnte.
Nichtsdestotrotz, die langfristige finanzielle Zukunft Russlands sieht düster aus. Da die Verschuldung niedrig gehalten wurde, fehlt es an Geld für öffentliche Ausgaben und das Wachstum wurde geschwächt. Zudem ist Russland vom globalen Bankensystem abgeschnitten und seine Kreditwürdigkeit wurde massiv herabgestuft. Infolge der westlichen Sanktionen war das Land 2022 sogar zahlungsunfähig. Selbst wenn Putin auf den internationalen Märkten Kredite aufnehmen wollte, wäre das in dieser Situation nicht mehr möglich.
Schweiz – Schuldenquote: 36,7 %
Wenn man jemandem Geld leihen möchte, dann der Schweiz: Das Land wird von den führenden Ratingagenturen mit der höchstmöglichen Bonitätsnote AAA bewertet. Die Regierung ist für ihr umsichtiges Wirtschaften bekannt und der Schweizer Franken gehört weltweit zu den bevorzugten Reservewährungen.
Die Schweizer Regierung hält seit 2003 streng an einer Schuldenbremse fest, was die Staatsverschuldung niedrig gehalten hat. Derzeit steht sie bei 321,2 Milliarden Euro, was nur 36,7 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes entspricht.
Neuseeland – Schuldenquote: 47,4 %
Neuseeland hat mehr Gründe als viele andere Länder, seine Staatsverschuldung unter Kontrolle zu halten. Das Land ist besonders anfällig für Naturkatastrophen wie Erdbeben und Unwetter, die teure Schäden verursachen können. Auch wiegen externe wirtschaftliche Schocks schwerer, da das Land klein ist und eine exportorientierte Wirtschaft hat.
Daher haben die Regierungen der letzten Jahre alles getan, um das Schuldenniveau niedrig zu halten. Der aktuelle Gesamtbetrag von etwa 114 Milliarden Euro entspricht 47,4 Prozent des neuseeländischen BIP und die Regierung möchte diese Quote auf 20 bis 40 Prozent senken.
Auf der Kehrseite der Medaille steht, dass aufgrund geringerer Kreditaufnahmen weniger Geld für Investitionen zur Verfügung steht. Die neuseeländische Infrastruktur weist daher Defizite auf, was zu Forderungen an die Regierung geführt hat, die Schuldenobergrenze anzuheben. Da Neuseeland von Moody's mit AAA und von den anderen großen Ratingagenturen mit AA, der zweithöchsten Stufe, bewertet wird, sollten die Kosten dafür tragbar sein.
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Australien – Schuldenquote: 49,6 %
Die Bruttostaatsverschuldung Australiens beläuft sich auf rund 828 Milliarden Euro, was 49,6 Prozent des nationalen BIP entspricht. Wie das benachbarte Neuseeland hat Australien eine viel niedrigere relative Staatsverschuldung als viele andere Länder mit hohem Einkommen. Ab 2008, als die Nettoverschuldung sogar im negativen Bereich lag, sind die Verbindlichkeiten gestiegen, wofür in jüngerer Zeit vor allem die im Zusammenhang mit der Pandemie stehenden Ausgaben der letzten Jahre verantwortlich sind.
Dank einer soliden Finanzverwaltung, in Kombination mit Australiens rohstoffreicher Wirtschaft, dem hohen Handelsüberschuss und einer AAA-Bonität ist die Verschuldung jedoch weiterhin überschaubar. Die Quote sollte sich mit steigenden Staatsausgaben für Infrastruktur, Bildung und Verteidigung erhöhen. Die prognostizierte Zahl von 58 Prozent bis 2027 ist im internationalen Vergleich allerdings immer noch niedrig.
Mexiko – Schuldenquote: 55,6 %
In den 1980er- und 1990er-Jahren erlebte Mexiko eine schlimme Schuldenkrise und musste zwischenzeitlich sogar die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Seitdem hat das Land erfolgreich daran gearbeitet, seinen Ruf als verlässlicher Kreditnehmer wiederherzustellen. Mexikanische Anleihen werden heute von den wichtigsten Rating-Agenturen als „Investment Grade“ eingestuft, das heißt, sie haben eine gute bis sehr gute Bonität.
Die Bruttostaatsverschuldung des Landes beträgt rund eine Billion Euro oder 55,6 Prozent des BIP. Unter dem früheren Präsidenten Andrés Manuel López Obrador, der bis Ende September 2024 im Dienst war, sind die Schulden allerdings angestiegen, um zusätzliche öffentliche Ausgaben im Vorfeld der Parlamentswahlen im Juni zu finanzieren. Mexikos neue Präsidentin Claudia Sheinbaum sieht sich nun mit der Aussicht konfrontiert, die Steuern erhöhen zu müssen, um ihr Versprechen einzulösen, mehr für Sozialleistungen und öffentliche Dienstleistungen auszugeben.
Deutschland – Schuldenquote: 63,7 %
Deutschland ist bei allen wichtigen Ratingagenturen ein AAA-Land mit bestmöglicher Bonität. Mit rund 2,5 Billionen Euro und einer Schuldenquote von 63,7 Prozent ist die Bruttostaatsverschuldung vergleichsweise bescheiden. Die Bundesrepublik liegt zwar über dem im Maastrichter Vertrag festgelegten EU-Ziel von 60 Prozent, aber dennoch deutlich unter dem OECD- und EU-Durchschnitt von 81,7 Prozent.
Gleichzeitig ist die Staatsverschuldung aktuell ein deutsches Kernthema, das nicht zuletzt zum Ampel-Aus Anfang November geführt hat. Die – auch im Ausland – berühmt-berüchtigte deutsche Schuldenbremse ist schon seit langem ein Zankapfel, wenn es darum geht, die milliardenschweren Haushaltslöcher des Landes zu stopfen. Kritiker der Haushaltsdisziplin um jeden Preis argumentieren, dass die „Besessenheit“ mit der Schuldenbremse das dringend benötigte Wachstum verhindern und die grüne Transformation des Landes verlangsamen könnte.
Österreich – Schuldenquote: 75,4 %
Wie in Deutschland liegt auch in Österreich die Schuldenquote zwar über dem im Maastricht-Vertrag festgelegten Schwellenwert von 60 Prozent des BIP, aber unter dem OCED- und EU-Durchschnitt.
Die Staatsverschuldung des Landes beträgt derzeit etwa 394,8 Milliarden Euro, ist jedoch relativ gesehen höher als die Deutschlands und wirkt sich laut der US-Ratingagentur Fitch auf die Kreditwürdigkeit des Landes aus. Das Land wird von den drei führenden Agenturen eine Stufe unter Deutschland eingestuft.
2023 erreichten die Staatsausgaben Rekordniveau. Laut Statistik Austria wurde die Schuldenlast allerdings durch ein starkes Wirtschaftswachstum und einen inflationsbedingten Anstieg der Einnahmen ausgeglichen.
Südafrika – Schuldenquote: 75,4 %
Südafrikanische Staatsanleihen werden von den führenden Auskunfteien, wie oft im Fall von Entwicklungsländern, schlecht bewertet. Diese schlechte Bonitätseinstufung erhöht die Kreditkosten, sodass die derzeitige Verschuldung des Landes in Höhe von 262,5 Milliarden Euro eine schwere Last ist, obwohl die Schuldenquote des Landes im Verhältnis zum BIP im weltweiten Vergleich nicht übermäßig hoch ist. Österreich hat die gleiche Quote, allerdings sind die Zinszahlungen in dem Fall viel geringer.
Laut dem südafrikanischen Finanzminister Enoch Godongwana belasten die Kosten für die Schuldenrückzahlung inzwischen die Sozialausgaben. Die diesjährigen Zinszahlungen werden auf 19,3 Milliarden Euro geschätzt, was das Budget für die Grundbildung weit in den Schatten stellt und die Militärausgaben des Landes für 2024 um das Siebenfache übersteigt.
Indien – Schuldenquote: 82,5 %
Die Verschuldung Indiens im Verhältnis zum BIP nimmt zu, was für den IWF Anlass ist, Alarm zu schlagen. Die Schulden von rund drei Billionen Euro betragen 82,5 Prozent des BIP und mittelfristig könnte das Verhältnis 100 Prozent übersteigen. Indiens Anleihen haben zwar ein Investment-Grade-Rating, aber die niedrigste Bewertung in dieser Kategorie. Die Rückzahlung der gestiegenen Schulden stellt also durchaus eine Herausforderung dar, wenn man die wahrscheinlich hohen Zinsen bedenkt.
Die indische Regierung spielt das Thema Verschuldung allerdings herunter und weist darauf hin, dass ein großer Teil der Staatsschulden in Rupien zurückzuzahlen sind. Generell verringert dies das Risiko einer Schuldenkrise, wenn relativ wenige ausländische Gläubiger zu befriedigen sind.
Argentinien – Schuldenquote: 86,2 %
Nur wenige Länder haben ein schlechteres Kreditrating als Argentinien. Das Land konnte seit 2001 dreimal seine Staatsschulden nicht mehr begleichen und musste sich zweimal an den IWF wenden, um seine Verbindlichkeiten umzustrukturieren. Die Rückzahlung der Schulden, die durch jahrelange Misswirtschaft und überhöhte Staatsausgaben entstanden sind, ist ein andauernder Kampf. Aktuell belaufen sie sich auf etwa 485,8 Milliarden Euro.
Der Rechtspopulist Javier Milei gewann die Präsidentschaftswahl 2023 mit der Ansage, die Staatsausgaben und Schulden zu senken. Seine wirtschaftliche Schocktherapie scheint in einigen Bereichen Wirkung zu zeigen. Es wird allerdings nicht einfach sein, die Staatsverschuldung zu reduzieren. Das britische Beratungsunternehmen Oxford Economics schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass Argentinien seine Schulden zwischen 2025 und 2027 nicht mehr bedienen kann, sogar auf 75 Prozent.
China – Schuldenquote: 88,6 %
Chinas Schuldensituation sieht nicht gut aus. Der Zusammenbruch des Immobiliensektors hat zu einem wirtschaftlichen Abschwung geführt, dem die Regierung wohl mit steigenden Kreditaufnahmen entgegenwirken wird. Das meint zumindest die Ratingagentur Fitch, die im April 2024 den Ausblick für Chinas Kreditwürdigkeit auf negativ herabgestuft hat.
Offiziell beläuft sich Chinas Staatsverschuldung auf 15,3 Billionen Euro oder 88,6 Prozent des BIP. Laut dem Finanzdienstleister Fidelity könnte der Wert allerdings sogar 130 Prozent betragen, wenn man die „Schattenfinanzierungsinstrumente“ berücksichtigt, mit denen die Immobilienkrise angeheizt wurde. Auf Basis dieser Zahl wäre China relativ gesehen eines der am höchsten verschuldeten Schwellenländer.
Großbritannien – Schuldenquote: 104,3 %
Die britische Bruttostaatsverschuldung beläuft sich auf etwa 3,4 Billionen Euro und ist damit so hoch wie seit 1962 nicht mehr. Die Verbindlichkeiten übersteigen die jährliche Wirtschaftsleistung des Landes um 140 Milliarden Euro, was eine Schuldenquote von 104,3 Prozent des BIP ergibt. Rund 25 Prozent der Kredite müssen an ausländische Investoren zurückgezahlt werden, was deutlich über dem Durchschnitt von 18 Prozent liegt, den fortgeschrittene Volkswirtschaften in diesem Bereich aufweisen.
Die Bedienung der Schulden ist mit steigender Inflation und höheren Zinssätzen teurer geworden. Der höchste monatliche Rückzahlungsbetrag liegt bei über 24 Milliarden Euro, obwohl das Land aufgrund seiner hohen Kreditwürdigkeit in der oberen A-Kategorie Vorzugsbedingungen genießt.
Rachel Reeves, die neue Finanzministerin seit den Parlamentswahlen am 4. Juli 2024, hat sich die Bekämpfung der Staatsverschuldung als eine der wichtigsten Leitlinien für die Wirtschaftspolitik der Labour-Partei auf die Fahnen geschrieben.
Kanada – Schuldenquote: 104,7 %
Für Chrystia Freeland, Kanadas stellvertretende Premierministerin und Finanzministerin, steht die Verringerung der durch die Pandemie aufgeblähten Schuldenquote des Landes ganz oben auf der Prioritätenliste, damit die Finanzen des Landes zukunftsfähig bleiben. Das derzeitige Schuldenniveau von 2,2 Billionen Euro übersteigt das BIP des Landes um mehr als vier Prozent.
Die Ministerin scheint einen guten Job zu machen, denn Kanadas Schuldenquote sinkt. Der IWF äußerte sich im Sommer positiv zur kanadischen Wirtschaft und lobte die Bemühungen der Regierung um den Schuldenabbau.
Spanien – Schuldenquote: 106,3 %
Spaniens Schuldenquote stieg zwischen 2020 und 2021 um 20 Prozent, was mehr ist als in jedem anderen Land der Eurozone. Die Pandemie hat sowohl das Wachstum eingeschränkt als auch zu enormen Ausgaben der spanischen Regierung geführt.
Aktuell beläuft sich die Staatsverschuldung des Landes auf etwa 1,6 Billionen Euro, was 106,3 Prozent des BIP entspricht. Die Kreditwürdigkeit des Landes ist ordentlich und reicht von A (S&P) bis Baa1 (Moody's).
Obwohl die absolute Zahl nach wie vor hoch ist, sinkt die Schuldenquote Spaniens tendenziell. Dahinter stehen ein starkes Wirtschaftswachstum und andere positive Faktoren wie höher als erwartete Steuereinnahmen.
Frankreich – Schuldenquote: 111,6 %
Auch in Frankreich stieg die Staatsverschuldung infolge der Pandemie und anderer externer Schocks. Der Schuldenberg beläuft sich inzwischen auf rund 3,3 Billionen Euro, was 111,6 Prozent des französischen BIP entspricht.
In Frankreich klappt es nicht so gut wie in Spanien, von der hohen Schuldenquote wegzukommen. Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron ist nicht in der Lage, ihre Ausgaben einzudämmen und das Defizit zu senken. Dafür hat das Land einen hohen Preis gezahlt, denn am 1. Juni 2024 stufte S&P die Kreditwürdigkeit Frankreichs von AA auf AA- herab – damit hat das Land nun die gleiche Bonitätsklasse wie Tschechien und Estland.
Seit dem 13. Dezember 2024 hat Frankreich mit François Bayrou einen neuen Premierminister. Sein Vorgänger Michel Barnier hatte zuvor „vorübergehende, gezielte“ Steuererhöhungen für große Unternehmen und die reichsten Bürger des Landes angekündigt, was einen großen Bruch mit der Wirtschaftspolitik von Präsident Macron dargestellt hatte. Doch seine Amtszeit währte nicht lange: Bereits nach drei Monaten stürzte ihn das Parlament mit einem Misstrauensvotum. Nachfolger Bayrou steht ebenfalls vor der Herausforderung, den Schuldenberg in den Griff zu bekommen. Und die Größe der Aufgabe scheint ihm ebenfalls bewusst zu sein. Im Hinblick auf die Staatsverschuldung sprach er vom „Himalaja, der vor uns aufragt".
USA – Schuldenquote: 123,3 %
In absoluten Zahlen sind die USA das am höchsten verschuldete Land der Welt. Der Betrag von rund 34 Billionen Euro ist astronomisch hoch und entspräche 95.577 Euro für jeden US-amerikanischen Bürger.
Das Government Accountability Office, das als Rechnungshof dem US-Kongress unterstellt ist, hat kürzlich gewarnt, dass sich das Land mit seiner Schuldenquote von 123,3 Prozent auf einem unhaltbaren finanzpolitischen Weg befindet, der eine ernste Bedrohung für die Wirtschaft, die nationale Sicherheit und die Gesellschaft darstellt. Die wachsende Verschuldung im Verhältnis zum BIP, die bis 2054 166 Prozent erreichen soll, könnte das Wachstum bremsen und die Staatshaushalte belasten, wenn die Zinszahlungen immer höher werden. Bereits in diesem Jahr werden die Schuldenrückzahlungen zum ersten Mal überhaupt die US-Verteidigungsausgaben übersteigen.
Die Krise um die Schuldenobergrenze im vergangenen Jahr führte dazu, dass Fitch das Rating des Landes und Moody’s den Ausblick des Landes herabgestuft hat. Die Schuldenrückzahlungen sind also teurer geworden. Japan, gefolgt von China und Großbritannien sind die Hauptkreditgeber.
Italien – Schuldenquote: 139,2 %
Italien steckt bis zum Hals in Schuldverschreibungen und der Staat ist in Höhe von rund drei Billionen Euro verschuldet, was 139,2 Prozent des italienischen BIP entspricht. Da sich das Land nach der Pandemie erstaunlich gut erholt hat, gibt es allerdings positive Zeichen und im November 2023 änderte Moody's seinen Ausblick von negativ auf stabil.
Nach Ansicht des IWF steht das künftige wirtschaftliche Wohlergehen Italiens aber dennoch auf dem Spiel, wenn die Regierung es nicht schafft, den eskalierenden Schuldenberg in den Griff zu bekommen. Italien befindet sich in einer anfälligeren Situation als viele andere Länder mit einer hohen Schuldenquote, da ein erheblicher Teil der Schulden von ausländischen Gläubigern und 20 Prozent der Schulden von privaten Gläubigern gehalten werden. Dies macht das Land laut dem französischen Kreditversicherer Coface anfällig für spekulative Angriffe.
Griechenland – Schuldenquote: 148,8 %
Griechenland lebte jahrzehntelang über seine Verhältnisse. Ende der Nullerjahre stürzte das Land in eine katastrophale Schuldenkrise und wurde zu einem Musterbeispiel dafür, was passiert, wenn Länder ihre Schulden nicht mehr tragen können. Die griechische Regierung war gezwungen, ihre Ausgaben extrem zu kürzen und drastische Steuererhöhungen vorzunehmen. In Konsequenz verarmten viele Menschen. Auch mussten der IWF, die Europäische Zentralbank und das Euro-Gruppe-Gremium der EU mit Rettungsmaßnahmen eingreifen.
Griechenland ist noch immer nicht über den Berg. Seine Staatsanleihen werden von Moody's schlecht bewertet und das Land wird bis 2060 damit beschäftigt sein, seine Verbindlichkeiten zurückzuzahlen. Die Staatsschulden belaufen sich derzeit auf rund 347,3 Milliarden Euro, was 148,8 Prozent des BIP entspricht.
Das Verhältnis zwischen Schulden und Wirtschaftsleistung soll sich in den nächsten Jahren allerdings nach und nach verbessern und die Schulden scheinen überschaubar. Da die Gläubiger größtenteils offizielle Stellen sind, ist Griechenland anders als Italien weniger anfällig für Spekulationen.
Singapur – Schuldenquote: 162,5 %
Singapur ist eine Anomalie. Seine Bruttostaatsverschuldung beläuft sich zwar auf rund 796 Milliarden Euro, was einer Schuldenquote von 162,5 Prozent entspricht. Doch die Kreditwürdigkeit des Inselstaates ist mit rundum AAA-Bewertungen hervorragend und auch die Haushaltslage ist ausgezeichnet. Was steckt also hinter diesen Zahlen?
Im Gegensatz zu anderen hoch verschuldeten Ländern nimmt Singapur Kredite auf, um zu investieren und nicht um Geld auszugeben. Dieses Prinzip ist sogar in der Verfassung verankert. Die Vermögenswerte des Landes übersteigen seine Verbindlichkeiten bei weitem. Dies geht sogar so weit, dass das Land eine eigentliche Nettoverschuldung von Null hat.
Japan – Schuldenquote: 254,6 %
Die Auslandsverschuldung Japans stieg während des sogenannten „verlorenen Jahrzehnts“ der 1990er-Jahre sprunghaft an und ist seitdem noch höher geworden. Zum Unterhalt der rapide alternden Bevölkerung und zur Ankurbelung der seit Jahren stagnierenden Wirtschaft wird unvermindert viel Geld geliehen. Während der Pandemie erreichte die Kreditaufnahme schwindelerregende Höhen. Japans Schulden belaufen sich inzwischen auf etwa 9,7 Billionen Euro, was mehr als dem Zweieinhalbfachen seines BIP entspricht. Andere Länder wären mit einer solchen Schuldenquote in einer schweren Krise. Nicht so Japan.
Die Kreditwürdigkeit des Landes liegt im A-Bereich. Die Währung für Japans Schulden ist größtenteils der heimische Yen, der selbst eine führende Reservewährung ist, und da die meisten der Schulden von inländischen Gläubigern gehalten werden, gilt für den Großteil der Verbindlichkeiten der minimale japanische Zinssatz. Die japanische Regierung hat auch einen gesunden Leistungsbilanzüberschuss und ist der größte ausländische Einzelgläubiger der USA. Man kann davon ausgehen, dass Japan in nächster Zeit nicht bankrottgehen wird.
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