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So schnell und günstig baute China die höchste Brücke der Welt

So viel hat die höchste Brücke der Welt gekostet

By Nicole Robinson · April 4, 2026

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STR/AFP via Getty Images

Rekord-Projekt: Huajiang Canyon Grand Bridge

Mit der Huajiang Canyon Grand Bridge entstand in der südwestchinesischen Provinz Guizhou die höchste Brücke der Welt, die am 28. September 2025 offiziell eröffnet wurde. Das rekordverdächtige Bauprojekt sah sich dabei mit einer ganzen Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Dazu gehörte neben dem Arbeiten in großer Höhe auch das extrem schwierige bergige Terrain, in dem sich das moderne Wunderwerk befindet.

Trotzdem wurde die Brücke im Vergleich zu anderen ähnlichen Megaprojekten erstaunlich schnell und für viel weniger Geld gebaut – wie das möglich war, erfahren Sie hier.

Adaptiert von Barbara Geier

Bill Wei/Shutterstock

Überbrückung des Huajiang Grand Canyon

In der gebirgigen Guizhou-Provinz schlängelt sich der Beipan-Fluss durch den wilden Huajiang Grand Canyon. Extrem steile Berghänge bilden hier eine tiefe Schlucht zwischen der bezirksfreien Stadt Liupanshui und dem Kreis Anlong.

Wer die Schlucht überwinden möchte, musste – bisher – eine Serpentinenroute über Bergstraßen bewältigen. Eine zeitaufwändige und nicht ganz ungefährliche Angelegenheit.

Sipa US/Alamy Stock Photo

Hängebrücke in Extremhöhe

Mit der neuen Brücke, die an das lokale Autobahnnetz angeschlossen wurde, möchten die Behörden Fahrzeiten verkürzen und die Wirtschaft der Region ankurbeln.

Die dafür gewählte Struktur einer Stahlhängebrücke in Fachwerkbauweise hat eine Konstruktion ohne Brückentürme ermöglicht, die die Schluchtlandschaft beeinträchtigt hätten. Die Dimensionen des Baus sind gewaltig: Er hat eine Gesamtspannweite von 3.200 Metern.

Bill Wei/Shutterstock

Herausforderung für die Ingenieure

Die neue Huajiang-Brücke erstreckt sich in einer schwindelerregenden Höhe von 625 Metern und ist damit, wie erwähnt, die höchste Brücke der Welt. Der Konstruktionsprozess des chinesischen Brückenwunderwerks war daher komplex.

Aufgrund seiner Lage ist der Bau im Tagesverlauf häufigen Wechseln zwischen kalter und heißer Luft und starken Winden ausgesetzt. Dazu kommen allgemeine Unwetter im Jahresverlauf. Die Hängebrückenkonstruktion soll diese verschiedenen Umweltbedingungen und geologischen Gegebenheiten auffangen.

Imago/Alamy Stock Photo

In guter Gesellschaft

Der neue Rekordbrückenbau, für den die Guizhou Transportation Investment Group als Bauträger am 18. Januar 2022 den Startschuss gab, befindet sich in der Guizhou-Provinz in guter Gesellschaft, denn dort stehen bereits fast die Hälfte der 100 höchsten Brücken der Welt.

Seit den späten 1970er-Jahren wurden in der Berglandschaft mehr als 30.000 Brücken gebaut. Damit ist die Konstruktion besonders hoher Brücken in der Region fast eine Spezialität.

Cynthia Lee/Alamy Stock Photo

Material in großen Massen

Für Hängebrücken wird Stahl für die Träger und Kabel benötigt – im Fall des chinesischen Megaprojekts waren es 22.000 Tonnen, was ungefähr dem Gewicht von zwei Eiffeltürmen entspricht.

Dazu mussten auch große Mengen an anderen Materialien wie Beton für die Türme und Fahrbahnen an den abgelegenen Ort transportiert werden.

Xinhua/Alamy Stock Photo

Höchster Bungee-Sprung der Welt

Da der Abhang auf der Nordseite der Schlucht steiler ist, sind die beiden Haupttürme unterschiedlich hoch. Der nördliche Turm erreicht 262 Meter, während der südliche Turm nur 205 Meter misst. Gebaut wurden sie laut Medienberichten mit Beton, das einen überdurchschnittlich hohen Zementanteil hat, um ihre Tragfähigkeit zu erhöhen. 

In einem der Türme gelangt man in einem gläsernen Fahrstuhl zu einer Bar und einem Café. Von der Brücke aus wird zudem der höchste Bungee-Sprung der Welt möglich sein, was das Bauwerk auch für abenteuerliche Touristen attraktiv machen soll.

Auf diesem Bild sind die Arbeiter bei der Feier anlässlich der Turmfertigstellung am 24. Oktober 2023 zu sehen.

Xinhua/Alamy Stock Photo

Rasant schnelle Infrastrukturkonstruktion

Wer bei so einem Mammutprojekt von einer jahrelangen Bauzeit ausgeht, täuscht sich: Die chinesische Projektplanung sah dafür nur 42 Monate vor. Und tatsächlich hat die Brücke in rasantem Tempo Gestalt angenommen. 

Am 9. April 2024 begannen die Arbeiter mit der Verlegung der Haupttragseile. Fünf Monate später – Anfang September – waren sie damit fertig. Die 93 Stahlfachwerkträger der Brücke wurden mithilfe von Spezialgeräten montiert, darunter der weltweit größte Kabelkran. Jeder Träger wiegt mehr als zwei Tonnen.

Xinhua/Alamy Stock Photo

Expertise junger Ingenieure

Wie viele Arbeitskräfte insgesamt mit dem Bau dieses gewaltigen Infrastrukturprojekts befasst waren, ist nicht bekannt.

Das chinesische Bauunternehmen Guizhou Road & Bridge Group Co. Ltd. hat aber mitgeteilt, dass 45 seiner Ingenieure an dem Projekt arbeiteten. Viele davon waren relativ junge Bauingenieure, die nach 1990 geboren wurden.

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Cynthia Lee/Alamy Stock Photo

Erstaunlich niedrige Baukosten

Die Huajiang Grand Canyon Bridge soll den Menschen in der Region viel Zeit sparen: Fahrten, die früher zwei oder mehr Stunden dauerten, nehmen jetzt nur noch wenige Minuten in Anspruch. Das betrifft zum Beispiel den Weg zur Schule, zum Arbeitsplatz oder ins Krankenhaus. 

Aus europäischer Sicht kosten solche komplexen Infrastrukturprojekte eigentlich Milliarden. Kaum zu glauben daher, dass die Gesamtkosten für die höchste Brücke der Welt mit zwei Milliarden Yuan (rund 240 Millionen Euro) angegeben werden. 

Cynthia Lee/Alamy Stock Photo

Chinesische Kostenersparnis

Zum Vergleich: Der Bau der Golden Gate Bridge in San Francisco kostete im Jahr 1937 35 Millionen US-Dollar, was nach heutigem Geldwert 777 Millionen US-Dollar (rund 684 Millionen Euro) entspricht. Damit kostet die Huajiang Grand Canyon Bridge mehr als das Zweieinhalbfache weniger als der amerikanische Bau, obwohl sie neunmal so hoch ist.

Beim Vergleich mit einem neueren Projekt schneidet die chinesische Brücke sogar noch besser ab: Für den Bau der 2022 eröffneten Çanakkale-1915-Brücke in der Türkei  – der derzeit längsten Hängebrücke der Welt – gingen 2,5 Milliarden Euro drauf.

Xinhua/Alamy Stock Photo

Brückenbau im Eiltempo

Relativ kostengünstig, außergewöhnlich schnell: Die Huajiang Canyon Grand Bridge hielt ihren Projektplan ein und hatte damit eine Bauzeit von knapp dreieinhalb Jahren.

Auch hier zum Vergleich ein anderer aktueller Brückenbau: Die Konstruktion der Gordie Howe International Bridge, die Windsor im kanadischen Ontario mit Detroit in den USA verbinden wird, läuft seit 2018, liegt hinter dem Zeitplan und hat mit Kosten von fast fünf Milliarden US-Dollar (rund 4,3 Milliarden Euro) ihr Budget bereits überstiegen. 

STR/AFP via Getty Images

Niedrige Löhne halten die Kosten unten

Wie schaffte es China, die gigantische Brücke nicht nur in Rekordzeit, sondern auch so günstig zu bauen? Sie ahnen die Antwort: Niedriglöhne dürften eine große Rolle gespielt haben. Da viele der mit dem Projekt befassten Ingenieure – wie erwähnt – noch am Anfang ihrer Karriere stehen, lagen ihre Gehälter sehr wahrscheinlich im unteren Bereich. Und das chinesische Durchschnittsgehalt ist mit rund 921 US-Dollar (790 Euro) pro Monat im weltweiten Vergleich so oder so schon relativ niedrig. 

Dazu kommt, dass das Bauunternehmen Guizhou Road & Bridge Group Co. Ltd. zu 100 Prozent im Staatsbesitz ist. Bürokratie und logistische Probleme, mit denen private Unternehmen bei Projekten dieser Größenordnung häufig zu kämpfen haben, sollten daher kein Thema gewesen sein.

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