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Die ältesten Schulden der Geschichte und warum manche nie beglichen wurden

Älteste Kredite der Welt

By Daniel Coughlin · September 10, 2026

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Bettmann/Getty Images

Von zaristischen Anleihen bis zu offenen Kriegsschulden

Sie haben noch viele Jahre Laufzeit bei der Hypothek oder beim Autokredit? Im Vergleich zu den hartnäckigsten Finanzverbindlichkeiten der Geschichte sind Jahrzehnte ein Kinderspiel. Manche erstrecken sich über Hunderte von Jahren und überdauerten Kriege, Revolutionen und den Fall ganzer Nationen. Zum Teil stehen diese Schulden noch immer aus, andere wurden erst kürzlich beglichen und wieder andere verharren in einer rechtlichen Schwebe.

Von Anleihen der Konföderation aus dem amerikanischen Bürgerkrieg bis zu niederländischen Schuldverschreibungen aus dem 17. Jahrhundert, auf die bis heute ausgezahlt wird – entdecken Sie die ältesten Schulden der Welt und ihre erstaunlichen Geschichten.

Adaptiert von Laura Puttkamer

Swim Ink 2, LLC/CORBIS/Corbis via Getty Images

Russische Zarenanleihen

1918, ein Jahr nach dem Sturz des Zarenregimes, versetzte die neue bolschewistische Regierung der Weltwirtschaft einen Schock: Sie bediente die Auslandsschulden des Kaiserreichs nicht mehr und löschte damit Verpflichtungen in – aus heutiger Sicht – Billionenhöhe aus.

Das ehemalige Imperium hatte seine Kriege und die Industrialisierung des Landes über Anleihen finanziert, wobei Investoren in Frankreich und Großbritannien die Hauptgläubiger waren. Dieses gewagte Vorgehen löste den längsten und komplexesten Staatsschuldenstreit der Geschichte aus und belastete Moskaus Beziehungen zum Westen über Jahrzehnte.

STOCKFOLIO/Alamy

Russische Zarenanleihen

Nach jahrelangem Streit wurde 1986 eine Einigung mit britischen Anleihegläubigern erzielt. Doch die Summe belief sich auf lediglich zwei Prozent des geschätzten Wertes der Anleihen – und die Gläubiger aus Frankreich, die einen Großteil der Auslandsschulden des Zarenreichs hielten, schnitten noch schlechter ab:

Im Jahr 1997 stimmte Russland zu, Frankreich 400 Millionen US-Dollar zu zahlen, nur 0,2 Prozent des damals prognostizierten Anleihewertes von 200 Milliarden US-Dollar. Nach heutigem Geldwert entspricht das 807 Millionen US-Dollar (692 Millionen Euro) bzw. 404 Milliarden US-Dollar (346 Milliarden Euro).

Russland rechtfertigte die bescheidenen Auszahlungen damit, dass es rechtlich nicht verpflichtet sei, die Schulden aus der Zarenzeit zu begleichen und stellte die Beilegung als Geste des guten Willens dar. Obwohl die Angelegenheit offiziell abgeschlossen wurde, waren viele überlebende Anleihegläubiger und Erben nicht zufrieden. Bis heute kämpfen einige noch für einen gerechteren Deal.

The Print Collector/Heritage Images via Getty Images

Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Deutschland durch den Versailler Vertrag von 1919 verpflichtet, 132 Milliarden Goldmark als Reparationen zu zahlen, was heute mehr als 500 Milliarden US-Dollar (429 Milliarden Euro) entspricht. Dieser Schuldenberg führte zu einer enormen wirtschaftlichen Belastung und politischen Instabilität in Deutschland, die letztlich den Weg für den Aufstieg Hitlers und den Zweiten Weltkrieg ebnete.

Angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen in der Zeit der Weimarer Republik verlangsamten sich die Zahlungen und die Gesamtschuld wurde bis Ende der 1920er-Jahre auf 112 Milliarden Goldmark reduziert. Diese Zahlungen wurden auf der Lausanner Konferenz 1932 eingefroren und endeten formal, als die Nazis im folgenden Jahr an die Macht kamen.

Sean Gallup/Getty Images

Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg erklärte sich die Bundesrepublik bereit, die Rückzahlungen wieder aufzunehmen und verhandelte die Bedingungen im Rahmen des Londoner Schuldenabkommens von 1953 neu: Die Schulden wurden halbiert und ein Teil der Zinsen aufgeschoben, bis das Land wieder vereint sein würde. Bis 1980 war die Hauptschuld zurückgezahlt. Die aufgeschobenen Zinsen wurden nach der Wiedervereinigung 1990 wieder aktiviert.

Die letzte Rate in Höhe von 94 Millionen US-Dollar wurde 2010 am zwanzigsten Jahrestag der Wiedervereinigung gezahlt. Inflationsbereinigt wären das heute 140 Millionen US-Dollar (120 Millionen Euro). Damit schloss Deutschland fast ein Jahrhundert nach dem Versailler Vertrag offiziell das Kapitel der Reparationszahlungen des Ersten Weltkriegs.

Hulton-Deutsch Collection/CORBIS/Corbis via Getty Images

Großbritanniens Erster-Weltkrieg-Schulden bei den USA

Während des Ersten Weltkriegs lieh sich Großbritannien zur Finanzierung seiner militärischen Ausgaben vier Milliarden US-Dollar von den USA. Doch nachdem die deutschen Reparationen mit der Lausanner Konferenz von 1932 einfroren worden waren, hörten viele Nationen auf, ihre Kriegsschulden zu begleichen. Großbritannien beglich nach der Konferenz zunächst noch einen kleinen Teil seiner Verpflichtungen. Ab 1934 wurde einfach gar nicht mehr gezahlt.

Die Schulden wurden nie offiziell gestrichen und das US-Finanzministerium hat sie nie offiziell erlassen. 2022 bezifferte der britische Historiker David James Gill die aufgelaufene unbezahlte Summe auf 16,7 Milliarden US-Dollar (14,3 Milliarden Euro) einschließlich Zinsen.

William Barton/Shutterstock

Großbritanniens Erster-Weltkrieg-Schulden bei den USA

Der Zahlungsausfall hatte finanziell keine großen Auswirkungen, hinterließ aber diplomatische Blessuren. Er nährte den Isolationismus in den USA, verzögerte möglicherweise sogar Amerikas Eintritt in den Zweiten Weltkrieg und warf einen langen Schatten auf die schwierigen Verhandlungen für den anglo-amerikanischen Kredit aus dem Jahr 1946. Dieses US-Darlehen hielt die britische Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg am Leben.

Großbritanniens unbezahlte Schulden belasteten über Jahrzehnte auch das viel zitierte besondere Verhältnis zu den USA. Heute sind sie weitgehend in Vergessenheit geraten – und das britische Finanzministerium hofft sicher, dass sich das auch in Zeiten von Trump nicht ändert ...

Circle Archive/Alamy

Hukuang-Eisenbahnanleihen

Im Jahr 1911, kurz vor dem Zusammenbruch der Qing-Dynastie, gab die kaiserliche chinesische Regierung Anleihen zur Finanzierung der Hukuang-Eisenbahn aus und verkaufte sie an Investoren in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Die Republik China vergab später zusätzliche Anleihen, geriet aber in den 1930er-Jahren mit dem gesamten Paket in Zahlungsverzug.

Als die kommunistische Regierung 1949 an die Macht kam, wies sie jegliche Verantwortung für diese Anleihen von sich, da sie von korrupten vergangenen Regimen ausgegeben worden seien. Investoren versuchten jahrzehntelang vergeblich, ihr Geld einzutreiben.

Fox Photos/Hulton Archive/Getty Images

Hukuang-Eisenbahnanleihen

Britische Anleihegläubiger wurden 1987 teilweise entschädigt, nachdem Großbritannien mit Peking eine Vereinbarung zur Begleichung von Schulden aus der Zeit vor 1949 getroffen hatte. Investoren aus anderen Ländern sahen dagegen keinen Cent.

Laut US-Interessengruppen, die von Kongressmitgliedern unterstützt werden, seien die Schulden inzwischen auf 1,6 Billionen US-Dollar (1,4 Billionen Euro) angewachsen. Ihre Argumentation: Als Nachfolgerin der Republik China auf dem Festland müsse die Volksrepublik die Summe zurückzahlen. Wenig überraschend ist die Regierung in Peking anderer Meinung und US-Gerichte haben Klagen wegen der Anleihen mangels Zuständigkeit konsequent abgewiesen.

Bettmann/Getty Images

Kriegsanleihen der Konföderierten Staaten von Amerika

Während des amerikanischen Bürgerkriegs gaben die Konföderierten Staaten von Amerika Anleihen im Wert von heute Milliarden US-Dollar aus, um ihre Abspaltung zu finanzieren. Diese gingen hauptsächlich an britische Aristokraten, die das Vorhaben unterstützten.

Als die Konföderation 1865 zusammenbrach, weigerte sich die US-Regierung, diese Schulden anzuerkennen oder zu begleichen. Ein entsprechender Artikel in der amerikanischen Verfassung erklärt ausdrücklich, dass weder die USA als Ganzes noch ein einzelner Bundesstaat Verpflichtungen zurückzahlt, die zur Unterstützung eines Aufstands eingegangen wurden.

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FAY 2018/Alamy

Kriegsanleihen der Konföderierten Staaten von Amerika

Trotz dieser rechtlichen Hürde schlossen sich britische Investoren 1884 mit französischen Gläubigern zusammen und ernannten vier Treuhänder, um das Geld zurückzubekommen, das ihnen geschuldet wurde – ohne Erfolg.

1924 setzte ein britisches Gericht den finalen Schlussstrich unter diese Bemühungen: Laut einem Artikel des Magazins „Time“ aus dieser Ära erklärte es die Anleihen für wertlos und sprach ihnen lediglich noch einen Souvenir-Wert zu.

Bettmann/Getty Images

Baumwollanleihen des Bankhauses Erlanger

Unter den Anleihen, die zur Unterstützung der Konföderation ausgegeben wurden, waren die Erlanger-Baumwollanleihen einzigartig. Sie wurden 1863 in London von dem Bankhaus Erlanger beworben und waren mit Baumwolle statt Bargeld besichert. Käufern wurde eine Rückzahlung in Baumwollballen versprochen, einem wichtigen Rohstoff für europäische Fabriken.

Obwohl sie über 20 Jahre hinweg einen attraktiven Zinssatz zahlen sollten, verloren die Anleihen rasch an Wert, als die Niederlage der Konföderation absehbar wurde. Dennoch wurden sie jahrelang an der Londoner Börse gehandelt. Die Hoffnung auf Rückzahlung wurde trotz des Zusammenbruchs der abtrünnigen Republik am Leben gehalten.

MPI/Getty Images

Baumwollanleihen des Bankhauses Erlanger

Der Londoner Handel mit den Baumwollanleihen versiegte schließlich Ende der 1880er-Jahre, als klar wurde, dass die US-Regierung niemals zahlen würde.

Die Anleihezertifikate sind dennoch bei Sammlern begehrt. Im Jahr 1987 wurde bei einer Londoner Sotheby's-Auktion ein Bestand von 75.000 Stück für 623.000 US-Dollar verkauft, was nach heutigem Geldwert rund 1,8 Millionen US-Dollar (1,5 Millionen Euro) entspricht. Die Papiere erzielen pro Stück weiterhin zwischen mehreren Hundert und Tausend US-Dollar.

Historic Images/Alamy

Haitis Schulden bei Frankreich nach der Unabhängigkeit

Im Jahr 1825 forderte Frankreich 150 Millionen Goldfranken von Haiti als Entschädigung für den Verlust versklavter Menschen nach der Unabhängigkeit der Karibiknation 24 Jahre zuvor. Die Summe entsprach dem Sechsfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes und dem Doppelten dessen, was die USA Frankreich für den Kauf von Louisiana gezahlt hatten – absurd überhöht.

Die Begleichung der Summe wurde über hochverzinsliche Kredite französischer Banken finanziert, die über 122 Jahre getilgt wurden. Die letzte Zahlung erfolgte 1947. Damit mussten die Nachkommen versklavter Menschen über Generationen die Erben der ehemaligen Herren entschädigen –  und obwohl die Schuld beglichen ist, zahlen die Haitianer noch immer teuer für diese Ungerechtigkeit.

HECTOR RETAMAL/AFP via Getty Images

Haitis Schulden bei Frankreich nach der Unabhängigkeit

Um die kolossalen Rückzahlungen zu leisten, nutzte Haiti enorme Summen, die eigentlich für Gesundheitsversorgung, Bildung und Infrastruktur gedacht waren. Zeitweise flossen bis zu 80 Prozent des Staatshaushalts in den Schuldendienst.

Historiker und Wirtschaftsexperten argumentieren heute, dass dieses „Unabhängigkeitslösegeld“ das Land in einen Teufelskreis aus Unterentwicklung und chronischer Armut gezwungen hat. Anfang dieses Jahres richtete Frankreich eine historische Kommission zur Schuldenfrage ein, aber für viele Haitianer ist das nicht genug – und außerdem zu spät.

Niday Picture Library/Alamy

Amerikas Schulden bei Spanien aus der Zeit der Revolution

Spanien spielte eine entscheidende, aber wenig bekannte Rolle in der Amerikanischen Revolution.

Die europäische Nation half, Großbritanniens militärische Macht in Nordamerika zu schwächen, indem sie das Land in Konflikte wie die Belagerung von Pensacola 1781 verwickelte. Spanien versorgte die dreizehn Kolonien auch mit dringend benötigten Waffen, Medikamenten und Truppen, ganz zu schweigen von Millionen Silberpesos. Doch Spaniens Großzügigkeit wurde nie zurückgezahlt.

iunewind/Alamy

Amerikas Schulden bei Spanien aus der Zeit der Revolution

Im März 2025 wurden in US-Medien Historiker zitiert, die diese vergessene Rechnung geschätzt auf heute astronomische zwölf Billionen US-Dollar (zehn Billionen Euro) beziffern, einschließlich Zinsen.

Die USA haben die ausstehenden Schulden nie anerkannt und Spanien hat nie auf Rückzahlung gedrängt, wahrscheinlich weil es strategisch profitierte, als sein langjähriger Feind Großbritannien ein wichtiges Kolonialgebiet verlor. Da US-Präsident Trump Spanien nun aber wegen NATO-Zahlungen im Visier hat, könnte eine sanfte Erinnerung an diese alten amerikanischen Schulden angebracht sein ...

Bettmann/Getty Images

Großbritanniens konsolidierte Staatsanleihen

Im Jahr 2015 zahlte die britische Regierung endlich ihre letzten Staatsanleihen ohne festes Rückzahlungsdatum zurück. Einige davon reichten bis in die Zeit des Ersten Weltkrieg, der Abschaffung der Sklaverei, der napoleonischen Kriege und sogar einer als Südseeblase bekannten Spekulationsblase im Jahr 1720.

Diese im Englischen „consols“ genannten konsolidierten Staatsanleihen wurden ursprünglich geschaffen, um frühere Staatsschulden zu vereinfachen und zu konsolidieren. Sie tauchen sogar in der britischen Literatur auf, darunter in Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ und in „David Copperfield“ von Charles Dickens.

Ben Pruchnie/Getty Images

Großbritanniens konsolidierte Staatsanleihen

Mit der Rückzahlung von 3,5 Milliarden US-Dollar (drei Milliarden Euro) wurden die jahrhundertealten Schulden endgültig beglichen.

Der damalige Schatzkanzler George Osborne (Bild) wählte einen günstigen Zeitpunkt: Er nutzte einen historisch niedrigen Zinssatz von 0,5 Prozent, um die kostspieligen Staatsanleihen zurückzuzahlen, auf die bis zu vier Prozent ausgezahlt worden waren.

Art Media/Print Collector/Getty Images

Niederländische Wasserverbandsanleihen

Die ältesten bekannten Schulden der Welt stammen aus dem Jahr 1624, als der niederländische Wasserverband Lekdijk Bovendams eine ewige Anleihe an eine gewisse Elsken Jorisdochter ausgab. Damit sollten Verbesserungen am Deichsystem finanziert werden. Obwohl es über vier Jahrhunderte alt ist, wirft das Schuldinstrument weiterhin 2,5 Prozent Zinsen pro Jahr ab, wobei die jährliche Rendite von rund 16 US-Dollar (14 Euro) bescheiden ist.

Die während des Goldenen Zeitalters der Niederlande ausgegebene Anleihe stellt eines der frühesten Beispiele eines Kreditsystems dar, das Zinsen auf unbegrenzte Zeit versprach.

Yale University

Niederländische Wasserverbandsanleihen

Die Yale University besitzt eine ähnliche historische Anleihe, die 1648 von einem anderen niederländischen Wasserverband ausgegeben wurde. Die Zinszahlungen wurden 1977 zwar eingestellt. 2003 holte der Yale-Professor Geert Rouwenhorst die aufgelaufene Summe jedoch eigenhändig ab.

Die Anleihe erzielt heute eine Rendite von rund 13 US-Dollar (elf Euro) pro Jahr, wobei die Zahlungen vom Nachfolger des ursprünglichen Wasserverbands geleistet werden. Diese seltenen historischen Anleihen verdeutlichen die bemerkenswerte Langlebigkeit mancher Schulden und zeigen, dass Gläubiger niemals aufgeben. Selbst nach 400 Jahren fordern sie noch jeden Cent ein

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