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Darum tauchten diese Unterwasserstädte plötzlich wieder auf

Zurück aus der Tiefe

By Ella Buchan · October 5, 2024

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30 slides 11 min read
Irina Neftenova/Shutterstock

Zurück aus der Tiefe

Berichte, dass der Klimawandel bald zahlreiche Wahrzeichen überflutet, kennt man leider inzwischen. Doch manchmal geschieht genau das Gegenteil: Versunkene Bauten, Steinkreise oder ganze Siedlungen, die lange unter Wasser standen, tauchen plötzlich wieder aus der Tiefe auf. Hier zeigen wir Ihnen einige der erstaunlichsten Beispiele aus aller Welt in Bildern und erklären, weshalb diese verloren geglaubten Relikte wieder zum Vorschein gekommen sind.

Adaptiert von Sandra Schröpfer

Juan Tello/Flickr/CC BY 2.0

Potosi, Táchira, Venezuela

Potosi im Nordwesten Venezuelas hatte einst rund 1.200 Einwohner – doch als ein Wasserkraftwerk gebaut und der Uribante-Stausee angelegt wurde, wurden die Siedlung überflutet und die Bewohner umgesiedelt. Dieses unheimliche Bild von 2005 zeigt, was von dem einst quirligen Ort übriggeblieben ist: ein verwitterter Kirchturm, der sich aus dem gräulichen Wasser erhebt.

George Castellanos/AFP/Getty Images

Potosi, Táchira, Venezuela

Der überflutete Ort war allerdings ein Besuchermagnet: Auf dem Stausee wurden Bootsfahrten angeboten und die versunkene Kirche war ein beliebtes Fotomotiv. Aber ab 2008 setzte in Venezuela eine Dürre ein, die den See austrocknen ließ und den einsamen Kirchturm wieder zum Vorschein brachte.

George Castellanos/AFP/Getty Images

Potosi, Táchira, Venezuela

Das Wasser zog sich so weit zurück, dass die gesamte Kirche wieder zu sehen war – diese war allerdings nur noch eine leere Hülle aus der Fassade. Auch andere Fundamente des zerstörten Dorfes tauchten wieder auf, ebenso wie mehrere alte Gräber. Zwischen den Ruinen grasen inzwischen Kühe, die an das Leben in Potosi vor seiner Überflutung erinnern.

MIGUEL RIOPA/AFP via Getty Images

Aceredo, Galicien, Spanien

Das Dorf Aceredo im Nordwesten von Spanien wurde 1992 überflutet, als ein portugiesisches Wasserkraftwerk für die Schaffung des Lindoso-Stausees seine Schleusen schloss. Einige der 250 Dorfbewohner akzeptierten eine finanzielle Entschädigung und siedelten ihre Familien um. Seit rund 30 Jahren steht das Dorf nun unter Wasser, doch wenn der Stausee austrocknet, tauchen einige der Gebäude wieder auf. So war dies etwa 2012 und 2017 der Fall.

Octavio Passos/Getty Images

Aceredo, Galicien, Spanien

Im November 2021 erreichte der Wasserstand des Stausees ein Rekordtief. Zum Vorschein kam eine Reihe ziemlich unwirklich aussehender Gebäude. Teile des überschwemmten Dorfes waren erstaunlich gut erhalten: Straßen, Wege und ehemalige Felder wurden freigelegt, und auch ein alter Wasserbrunnen tauchte wieder auf. In mehreren Häusern wurden Reste von Möbeln und persönlichen Gegenständen wie Schuhe gefunden.

Octavio Passos/Getty Images

Aceredo, Galicien, Spanien

Aceredo ist das berühmteste von fünf Dörfern, die für die Schaffung des Lindoso-Stausees überflutet wurden, da es immer wieder auftaucht, wenn der Wasserstand niedrig ist. Ist dies der Fall, kommen viele der ehemaligen Bewohner zu Besuch, um die Gebäude noch einmal zu sehen und um ihr verlorenes Dorf zu trauern. Die große mediale Aufmerksamkeit aus aller Welt hat das versunkene Dorf zuletzt zu einer Attraktion gemacht, die sich viele Fotografen und Touristen nicht entgehen lassen wollen.

Juan Mabromata/AFP/Getty Images

Villa Epecuén, Buenos Aires, Argentinien

Am Ufer eines Salzsees gelegen, zählte Villa Epecuén in der argentinischen Provinz Buenos Aires einst zu den beliebtesten Kurorten des Landes. Doch in den 1980er-Jahren kam es zu einer Katastrophe, als beispiellose Regenmassen den Lago Epecuén ansteigen ließen. Der Touristenort stand schon bald zehn Meter unter Wasser und war – so schien es – für immer verloren.

Damian Arias/Shutterstock

Villa Epecuén, Buenos Aires, Argentinien

Doch etwa 25 Jahre später begann sich das Wasser zurückzuziehen und der vergessene Ort trat langsam wieder an die Oberfläche. Was zum Vorschein kam, war eine mit Schutt und Salz übersäte Landschaft aus zerstörten Häusern und verrosteten Autos – von dem einstigen Kurort war nicht mehr viel übrig.

Damian Arias/Shutterstock

Villa Epecuén, Buenos Aires, Argentinien

Ein paar wenige Gebäude aber trotzten den unwirtlichen Bedingungen, darunter dieses ehemalige Schlachthaus, das vom argentinischen Architekten Francisco Salamone gebaut worden war. Die Geisterstadt ist über eine unbefestigte Straße zu erreichen, deren Umgebung an eine Apokalypse erinnert. Das kleine Museum im ehemaligen Bahnhof beherbergt eine Ausstellung zur Geschichte des Ortes und seinen Relikten.

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Pallava Bagla/Corbis/Getty Images

Alte Hafenstadt, Mahabalipuram, Indien

Als der verheerende Tsunami von 2004 die Ufer des Indischen Ozeans verwüstete, waren die Menschen im indischen Mahabalipuram davon überzeugt, eine verschollene Stätte gesehen zu haben: Eine Reihe von Felsbrocken kam beim Zurückziehen des Meeres zum Vorschein. Als das Wasser zurückschnellte, verschluckte es das rätselhafte Bauwerk erneut. Erst mehr als ein Jahrzehnt später wurde den Augenzeugenberichten auf den Grund gegangen.

Pallava Bagla/Corbis/Getty Images

Alte Hafenstadt, Mahabalipuram, Indien

Als Archäologen schließlich die Stätte fanden und freilegten, entdeckten sie tatsächlich einen Komplex aus Mauern und Felsbrocken. Bei Tauchgängen wurden auch eine alte Treppe und mehrere Steinblöcke entdeckt. Experten gehen davon aus, dass es sich bei den Ruinen um entweder die Spuren einer alten Hafenstadt oder die Überreste eines jahrhundertealten Tempels handeln könnte.

Wasan.K/Shutterstock

Muang Badan, Kanchanaburi, Thailand

Muang Badan ist eine weitere alte Stadt, die beim Bau eines Damms überflutet wurde. Seit den 1980er-Jahren bildet der Vajiralongkorn-Damm in Thailand den Khao-Laem-Stausee. Dieser verschlang drei historische Tempel; an die Oberfläche lugen nur noch ihre Spitzen. Dieses Foto zeigt Bootsausflügler neben einem Glockenturm, der aus dem See herausragt.

mickeykwang/Shutterstock

Muang Badan, Kanchanaburi, Thailand

Zum Glück für Besucher stehen die sakralen Bauten nicht immer vollständig unter Wasser. Wenn der Wasserstand des künstlichen Sees sehr niedrig ist – typischerweise im März und April – beginnen die reich verzierten, honigfarbenen Gebäude aus der Tiefe aufzutauchen.

warut pothikit/Shutterstock

Muang Badan, Kanchanaburi, Thailand

Hier ist der Tempel Wat Si Suwannaram Gao in der Trockenzeit zu sehen. Der Stausee hat sich weit zurückgezogen und das Bauwerk – ausgehöhlt von den vielen Jahrzehnten unter Wasser – steht auf einem grasbewachsenen Plateau.

PNIKOL/Shutterstock

Pavlopetri, Peloponnes, Griechenland

Sie könnte leicht mit einem zerklüfteten Felsen verwechselt werden, doch diese Formation vor der griechischen Küste gehört tatsächlich zu einer versunkenen Siedlung, die allmählich von den Wellen freigelegt wird. Es wird angenommen, dass die antike Stadt Pavlopetri etwa 5.000 Jahre alt ist und um 1.000 v. Chr. nach einem Erdbeben überflutet wurde. Bei Untersuchungen konnten Straßenzüge, ein Tempel und ein zentraler Platz festgestellt werden.

Universität Tübingen

Palast aus der Bronzezeit, Kurdistan, Irak

Als im Herbst 2018 Dürre im Irak herrschte, begann der Mosul-Staudamm entlang des Tigris Wasser zu verlieren – und etwas Spektakuläres zu enthüllen. Aus dem Flussbett tauchten plötzlich vergessene Ruinen auf, die deutsche und kurdische Archäologen gemeinsam freilegten.

Universität Tübingen

Palast aus der Bronzezeit, Kurdistan, Irak

Die Forscher entdeckten einen Palast aus der Bronzezeit, der vermutlich während des Mittani-Reiches entstand (15. bis 14. Jahrhundert v. Chr.). Das beeindruckende Bauwerk bestand aus Lehmziegelmauern, von denen einige bis zu zwei mal zwei Meter groß waren.

Universität Tübingen

Palast aus der Bronzezeit, Kurdistan, Irak

Über das Mittani-Reich ist nur wenig bekannt, doch liefert die Entdeckung von zehn Tontafeln einen weiteren Einblick in die geheimnisvolle Herrscherdynastie. Der freigelegte Palast muss einmal stolz über dem Ufer des Tigris gethront haben, mit einer riesigen Mauer und bestem Ausblick aufs Wasser.

Cesar Manso/AFP/Getty Images

Mansilla de la Sierra, La Rioja, Spanien

Der spanische Ort Mansilla de la Sierra ist heute ein unheimlicher Anblick. Einst lebten hier etwa 600 Menschen, aber ein in den 1960er-Jahren gebauter Damm zwang die Bewohner, ihr Dorf zu verlassen und es den Fluten zu überlassen. In Dürreperioden erhebt sich die Geisterstadt jedoch aus dem Wasser.

Cesar Manso/AFP/Getty Images

Mansilla de la Sierra, La Rioja, Spanien

Eine dieser Dürreperioden ereignete sich 2016, als der Stausee von Mansilla de la Sierra weitestgehend ausgetrocknet war. Wie auf dieser Aufnahme vom Herbst 2016 zu sehen ist, konnte man damals sogar durch die Ruinen der versunkenen Stadt spazieren. Alles, was von dem Ort im Schlamm allerdings geblieben ist, sind die Fundamente aus Stein sowie ein paar verfallene Häuserfassaden.

 

Romano Cagnoni/Getty Images

Fabbriche di Careggine, Toskana, Italien

Der Lago di Vagli in der Toskana ist mehr als nur ein Stausee – er verbirgt ein ganzes Dorf aus dem Mittelalter in seinen Gewässern. Fabbriche di Careggine wurde 1946 unter Wasser gesetzt, als am Fluss Edron ein Damm errichtet wurde. Die damals rund 150 Bewohner mussten ins Dorf Vagli di Sotto weiter südlich umsiedeln.

Riccardo Sala/Alamy Stock Photo

Fabbriche di Careggine, Toskana, Italien

Etwa einmal alle zehn bis 20 Jahre wird der Lago di Vagli trockengelegt, um den Damm instand zu setzen. Genau dann taucht Fabbriche di Careggine wieder auf, zuletzt 1994. Zuvor war das Dorf 1958, 1974 und 1983 zu sehen gewesen, was zahlreiche Besucher aus der ganzen Welt angelockt hatte.

Dino Fracchia/Alamy Stock Photo

Fabbriche di Careggine, Toskana, Italien

2020 hatte es Gerüchte gegeben, der See würde erneut trockengelegt werden. Doch wann es das nächste Mal so weit sein wird, hat der Betreiber des Damms, Enel, noch nicht mitgeteilt. Doch dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, wann sich die Geisterstadt wieder zeigt.

Irina Neftenova/Shutterstock

St.-Nikolaus-Kirche, Mavrovo, Nordmazedonien

Der Anblick dieser Kirche, die aus dem blaugrünen Wasser des Mavrovo-Sees hervorschaut, bringt jeden Besucher dazu, nach seiner Kamera zu greifen. Die 1850 erbaute St.-Nikolaus-Kirche war die Dorfkirche von Mavrovo und liebevoll mit Werken des Künstlers Dicho Zograf verziert. Doch als in den 1950er-Jahren ein Wasserkraftwerk gebaut wurde, musste die geliebte Kirche dem Stausee weichen.

jordeangelovic/Shutterstock

St.-Nikolaus-Kirche, Mavrovo, Nordmazedonien

Ganz verloren ging die Kirche jedoch nie. Ihr auffälliger Glockenturm ragt seit jeher aus dem Wasser heraus. Im Sommer aber ist das versunkene Bauwerk häufig vollständig zu sehen. In den wärmeren Monaten zieht sich der See zurück und die Ruinen von Mavrovo kommen wieder ganz zum Vorschein. Dann ergibt sich für Besucher mit dem Hintergrund der bewaldeten Berge ein spektakuläres Panorama.

 

kandhal keshvala/Alamy Stock Photo

Dolmen von Guadalperal, Extremadura, Spanien

Der Dolmen von Guadalperal – auch „das spanische Stonehenge“ genannt – ist ein 7.000 Jahre alter Steinkreis in der spanischen Extremadura, nicht weit entfernt von der westspanischen Stadt Peraleda de la Mata. Die Megalithanlage, die aus 150 Steinen besteht, stand mehr als 50 Jahre unter Wasser.

Pablo Blazquez Dominguez/Getty Images

Dolmen von Guadalperal, Extremadura, Spanien

In den 1960er-Jahren wurde das megalithische Monument durch den Bau des Valdecañas-Stausees – eine wichtige Wasserversorgung für die Region – überflutet. Die Steine ragten nur gelegentlich aus dem See heraus. Doch Rekordtemperaturen im Jahr 2019 legten den Dolmen für einen Moment wieder vollständig trocken.
Pablo Blazquez Dominguez/Getty Images

Dolmen von Guadalperal, Extremadura, Spanien

Mit der lang anhaltenden Dürre im Sommer 2022 sank der Wasserstand des Stausees erneut und der Steinkreis kam wieder zum Vorschein. Der Dolmen, der möglicherweise als Grabstätte oder Tempelanlage diente, zeigte sich vollständig, nachdem der Stausee nur noch zu 28 Prozent gefüllt war.

MICHAL CIZEK/AFP via Getty Images

Hungerstein, Elbe, Tschechien

Die extreme Hitze, von der weite Teile Europas in den vergangenen Sommern betroffen waren, hat an mehreren Flüssen Relikte aus alten Dürrezeiten freigelegt. So genannte Hungersteine wurden etwa an der Elbe, am Rhein und an der Weser hinterlassen, um künftige Generationen vor Hungersnöten bei zu niedrigem Wasserstand zu warnen. Dieser Stein an der Elbe im tschechischen Děčín (Tetschen) stammt bereits aus dem 15. Jahrhundert. Auf ihm zu lesen sind die mahnenden Worte: „Wenn du mich siehst, dann weine.“

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